Büsumer Deichfreilichtmuseum

Im Neuenkoog (nahe des Parkplatzes P 1) ist das Büsumer Deichfreilichtmuseum. Neben der Sturmflutenwelt Blanker Hans, dem Museum am Meer und dem Museumshafen fügt sich diese neue Attraktion rund um das Thema „Meer und Mensch“ gut in Büsum ein. Im Büsumer Neuenkoog wurden dabei, vier historische Deiche errichtet.

Den mittelalterlichen Deichbau dokumentiert ein niedriger Sommerdeich mit flachen Böschungen und einer Höhe von 1,50 m aus der Zeit um 1200. Viele der frühen Deiche schützten das Wirtschaftsland zunächst nur vor den sommerlichen Sturmfluten, während die höheren Warften sichereren Schutz boten.
Daneben befindet sich ein Nachbau eines Stackdeiches. Solche Deiche überliefert für Alt-Nordstrand im 16. Jahrhundert der Odenbüller Pastor Johannes Petreus. Den seeseitigen Fuß schützte bei diesen Konstruktionen eine steile Bohlenwand mit in den Untergrund eingerammten Eichenpfosten als Stützen. Als zusätzliche Stabilisierung dienten in den Deichkörper reichende und mit dieser Bohlenwand verzapfte Ankerbalken, die an ihrem anderen Ende in Widerlagern endeten.
Verbesserungen der Deichbautechnik kamen mit den holländischen Deichbaumeistern in der frühen Neuzeit auf, wie beispielhaft das Regelprofil eines 4 m hohen Seedeiches mit 1:4 geneigter Seeseite der Zeit um 1600 dokumentiert.
Der vierte Nachbau ist ein 40 m breiter und 5 m hoher Büsumer Bermedeich von 1805 mit 1:5 geböschter Seeseite und 1:1,5 geneigter Landseite. Die staatliche Gesetzgebung hatte in dieser Zeit vielerorts das Deichwesen reformiert und es unter die Aufsicht von Deichinspektoren gestellt. In Büsum erhielten die direkt an die See grenzenden und somit stark gefährdeten Deiche durch den Inspektor Sievers einen verbesserten Querschnitt, Bermen und teilweise auch Steindecken, wie der unter Denkmalschutz stehende Bermedeich von Warwerort bis Büsum demonstriert.

Von diesen Nachbauten reicht der Blick bis zum heutigen Büsumer Seedeich. Diese Sichtachse verdeutlicht den ernormen Wandel des Küstenschutzes: Keiner der historischen Deiche könnte heute noch den weit höher auflaufenden Sturmfluten standhalten. Die heutigen Seedeiche bestehen nicht mehr aus aufgeschichteten Kleisoden, sondern werden aus Sand mit Schwimmbaggern aufgespült, mit einer schmalen Kleilage abgedeckt und mit Rasen begrünt. Die See- und Landseiten der als Folge der Sturmfluten von 1962 erhöhten Deiche sind noch flacher geworden. Maßgeblich für die Höhe der Deichkrone ist der „maßgebende Sturmflutwasserstand“, wie er nur einmal in 100 Jahren erreicht wird (Windstau von 3,57 m oberhalb des Mittleren Tidehochwassers von NN +1,59 m bei extremen Westwinden; Sturmfluthöhe von 1976 von NN +5,16 m in Büsum). Hinzu gerechnet werden muss eine bis 3 m hohe Wellenauflaufhöhe bei einem schweren Orkan sowie die Setzung des Deiches und der Meeresspiegelanstieg, der zuletzt 25 cm in 100 Jahren betrug (Sicherheitsmaß von 0,50 m). Die heutige Höhe der Seedeiche in Büsum beträgt daher NN +8,70 m, somit liegt sie 7,11 m oberhalb des Mittleren Tidehochwassers.

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Der Tipp wurde von ord am 11. 06. 2008 hinzugefügt

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Karte Büsum: Lage und Anfahrt Büsumer Deichfreilichtmuseum


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