Exotenwald

Exotenwald
Exotenwald Weinheim ©Immanuel Giel

Spaziergänge im Exotenwald bieten schöne Ausblicke auf Weinheim

Man kann es immer wieder beobachten, meistens im frühen Sommer. Dass Spaziergänger im Weinheimer Exotenwald stutzend stehenbleiben und sich schnuppernd umsehen. Ungläubig den Kopf schütteln und dann – wenn’s keiner sieht – an einem Baum schnüffeln wie ein Hund. So ist es, wenn Bäume nach Kaugummi und Süßigkeiten riechen wie dort auf einer Fläche von rund 60 Hektar gleich im Anschluss an den Schlosspark. Bei Naturfreunden und bei professionellen Forstwissenschaftlern ist Europas größter Exotenwald gleichermaßen beliebt.

Ursprünglich aus dem Elsass stammend, waren die Freiherren von Berckheim Ende des 18. Jahrhunderts nach Weinheim gekommen. Sie waren dort die adligen Schlossherren. Der Begründer des Exotenwaldes, Christian Friedrich Gustav von Berckkeim (1817 – 1889), war zuletzt Staatsminister und Großhofmeister am Hof in Karlsruhe. „Exoten“ - Anbau war in dieser Zeit an Höfen und in Parks durchaus Mode. Die „Exoten“ wurden fast ausschließlich von europaweit bekannten Spezialbaumschulen in Orleans, Gent und Exeter bei London bezogen. Geliefert wurden in aller Regel Topfpflanzen, dabei sowohl Sämlinge wie auch mehrjährige Pflanzen.

Diese Beschaffungen waren mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden, zumal ja vor allem für die Flächenbepflanzungen große Stückzahlen gebraucht wurden. Allein für die Waldbestände pflanzte und besserte von Berckheim in der ersten Gründerphase zwischen 1872 und 1883 12 494 Bäume nach. Mit dem Exotenwald wollte von Berckheim offenbar ursprünglich seinen Schlosspark erweitern. Daher plante und baute er in den ersten Jahren ein Wegenetz, das für Kutschfahrten geeignet war – Walker, Jogger und Radfahrer freuen sich heute darüber. Von rund 150 Baum- und Straucharten der Gründerzeit sind rund 50 übrig geblieben. Sie bildeten die Grundlage des heutigen Exotenwaldes mit seinen 170 Arten.

Die Mammutbäume bilden den beeindruckendsten Bestand des Exotenwaldes. Die höchsten Bäume – zwischenzeitlich gerade einmal 135 Jahre alt – haben fast 60 Meter Höhe erreicht. Durch ihre rot leuchtende, weiche und dicke Rinde heben sich die Baumriesen deutlich von den umgebenden Nachbarbeständen ab. Dabei werden diese aus den Gebirgen der südwestlichen USA stammenden Bergmammutbäume bis zu 80 Meter hoch, bis zu 3500 Jahre alt und erreichen Durchmesser von 10 Meter und mehr. Auch bei den „Mammuts“ ist der Rückblick interessant: Zwischen 1873 und 82 pflanzt von Berckheim auf mehr als zwei Hektar Fläche 1460 Mammutbäume. Die 1128 Bäumchen kommen mit Schiff und Fuhrwerk von der Firma Veitch in Exeter bei London als vierjährige Topfpflanzen nach Weinheim. Jede dieser Pflanzen kostet 2 Guineen, entsprechend 43 Goldmark. Die späteren Nachbesserungen kommen dann als kleinere und preiswertere Pflanzen aus Orleans.

Von Berckheim pflanzt weit überwiegend nordamerikanische Baumarten. Lediglich die Zedernbestände (Atlaszeder und Libanonzeder) stellen eine Ausnahme dar. Er hat damit die Bäume der großen weiten Welt und der unbegrenzten Möglichkeiten in seinen Wald gebracht. Typische Vertreter dieses Anbaus sind die Berg- und die Küstenmammutbäume. Eine große Libanonzeder, die älteste Deutschlands, ist bis heute im Schlosspark erhalten geblieben.
Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist von der Öffnung nach Ostasien und hier vor allem Japan geprägt. Dem folgt tatsächlich eine Anbauwelle von Bäumen aus diesem Gebiet. Die Großblättrige Japanische Magnolie, die Sicheltanne und der Katsurabaum sind neben anderen hervorstechende Bäume aus dieser Zeit. Bezeichnend ist allerdings, daß man weniger auf das weite Spektrum markant blühender, „schöner“ Bäume zurückgegriffen hat, sondern bei der Auswahl das Holz und seine Verwendung im Blick hatte.

Den dritten Anbauabschnitt kennzeichnet eher die Breite des Angebots- aber auch des Anbauspektrums. Südamerikanische und neuseeländische Pflanzen bereichern das bisher europäische, asiatische, nordamerikanische und nordafrikanische zusätzlich. Aber auch aus Ostasien (vor allem China und Korea) stammende Baumarten nehmen an Bedeutung zu. Der Wandel zum Erholungswald spiegelt sich in einem höheren Anteil optisch interessanter, blühender oder markant herbstfärbender Baumarten wider. Hierzu gehören der Zuckerahorn, die Scharlacheiche ebenso wie die Lilienmagnolie und der Kalifornische Blüten-Hartriegel.
Am 24.08.1955 verkaufte Constantin Graf von Berckheim den Exotenwald für 450 000 Mark an das Land Baden-Württemberg. Bis heute hat sich die Waldfläche durch Zukäufe und einen Waldtausch mit der Stadt Weinheim auf rund 60 Hektar erweitert. Schon 1990 war ein Teil dieser Bestände von Baumarten geprägt, welche durch ihre markanten Blüten oder durch besondere Herbstfärbung hervortraten. Dieser Ansatz wurde zwischenzeitlich deutlich erweitert: Zu Kobushi - Magnolie und Großblättriger Japanischer Magnolie kamen der Blauglockenbaum, die Chinesische Lilien – Magnolie, der Taubenbaum und im benachbarten, amerikanischen Bereich die Gurkenmagnolie und die Schirmmagnolie. Im Frühjahr 2005 wird dieses Spektrum noch durch markant blühende Kirschenarten wie die Tokio - Kirsche, die Kanzan - Kirsche und die Sargent – Kirsche erweitert.

Im Grundsatz lohnt sich ein Besuch des Exotenwaldes zu jeder Jahreszeit. Selbst im Winter! Die meisten Nadelbäume bleiben grün und werfen ihre Nadeln nicht ab. Die Laubbäume bestechen den aufmerksamen Betrachter durch das baumartentypische, filigrane Anordnungsmuster von Ästen und Zweigen. Besonders sehenswert sind zu jeder Jahreszeit: Mammutbäume (drei Bestände), Urweltmammutbäume, Atlaszedern, Scheinzypressen, Flußzedern, Thujen , Küstenmammutbäume und Araucarien. Der Exotenwaldbesucher kann sich durch das Waldgebiet führen lassen: An den Waldeingängen sind Hinweistafeln, auf denen man sich den von der Länge und Zeitdauer geeigneten von drei im Wald markierten Rundwegen aussuchen kann. An den Wegen sind die wichtigsten Bestände für den fachlichen Laien verständlich auf Hinweistafeln beschrieben. Auf Anfrage führt das Forstamt für Gruppen Fachführungen durch.

Adresse:


Exotenwald Weinheim
Katzenlaut
69469 Weinheim


(19 Bewertungen)

Der Tipp wurde von Redaktion am 08. 08. 2009 hinzugefügt

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Karte Weinheim: Lage und Anfahrt Exotenwald


Kommentare

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Infomaterial Exotenwald
Am Montag hatte ich kurz Gelegenheit, den Exotenwald zu besuchen, leider war es schon später Nachmittag. Ich würde gerne wiederkommen. Gibt es eine Broschüre dazu und kann man Postkarten bestellen?
Ich war überrascht, wie schön bunt die Bäume noch sind, bei uns in Thüringen ist das schon längst vorbei.
U. Gebel
Geschrieben von Gebel, Ursula am 19. November 2009

Falsche Strasse
Hallo,

bitte die Adresse in "Katzenlauf" ändern. Danke
Geschrieben von seb am 08. June 2013



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